„Sobald einer über die Staatsangelegenheiten sagt: „Was geht’s mich an?“, muss man damit rechnen, dass der Staat verloren ist.“ Mit diesem Zitat zur politischen Teilhabe eröffnete die Schulleiterin des Thomas-Strittmatter-Gymnasiums, Christiane King, die von Schülerinnen und Schülern langersehnte Podiumsdiskussion am vergangenen Freitag in der Stadthalle. Eingeladen wurden alle wahlberechtigten Schülerinnen und Schüler St. Georgens, Bürgermeister Michael Rieger und die Wahlkreiskandidaten der sechs aussichtsreichsten Parteien für die Landtagswahl 2026 im Wahlkreis Villingen-Schwenningen. Dabei waren Nikola Schurr (SPD), Martina Braun (Bündnis 90/ Die Grünen), Martin Rothweiler (AfD), Aynur Karlikli (Linke), Andreas Braun (CDU) wie auch stellvertretend Gerhard Mengesdorf (FDP).
Die Podiumsdiskussion wurde vom Gemeinschaftskunde- Leistungskurs des Thomas-Strittmatter-Gymnasiums unter der Leitung des Fachlehrers Jakob Mörtl sowie mit der Unterstützung des Jugendgemeinderats St.Georgen organisiert und moderiert. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiteten problemorientierte Fragen zu den landespolitischen Themenfeldern „Gesellschaft und Zusammenleben“, „Innen- und Sicherheitspolitik“ sowie „Bildung und Kultur“. Diese sollten vor allem auf die für die junge Generation relevanten Probleme hinweisen. Die Politiker erhielten dabei jeweils zwei Minuten Zeit, die Position beziehungsweise den möglichen Lösungsansatz ihrer Partei dem jungen Plenum vorzustellen. Die Moderation erfolgte durch den Jugendgemeinderat. Die Absicht dieser Veranstaltung war es, der wahlberechtigten Jugend einen direkten Einblick in die lokale Politik zu ermöglichen und sie zur aktiven Beteiligung an der anstehenden Landtagswahl anzustoßen.
Begonnen wurde mit dem Themenblock „Gesellschaft und Zusammenleben“. Die Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses stellten einleitend das Problem der hohen Mietpreise für junge Studierende vor. Dabei gingen die Ansichten zur Lösung dieser Problematik unter den Diskussionsteilnehmenden weit auseinander. Während Aynur Karlikli (Linke) und Nicolas Schurr (SPD) eher auf Mietdeckel setzten, plädierte Gerhard Mengesdorf (FDP) für eine Senkung der Grunderwerbssteuer und Andreas Braun (CDU) dafür, das Bauen und Flächenversiegelung zuzulassen. Martina Braun (Grüne) hingegen verwies auf geförderte Kommunalwohnungen für junge Studierende. Martin Rothweiler (AfD) sprach von einer ,,Begrenzung der Nachfrage“. Des Weiteren wurden die Kandidaten gefragt, welche Maßnahmen sie ergreifen wollen, um Armut zu bekämpfen und insbesondere Kinder zu schützen. Dabei setzten beinahe alle den Fokus auf mehr staatliche Hilfe sowie mehr Unterstützung durch soziale Arbeit, jedoch auf unterschiedliche Weise.
Zum Themenfeld „Innen- und Sicherheitspolitik“ wurden die Politiker zunächst nach Strategien zur Stärkung der Integration und wirksamer Verhinderung der Radikalisierung bei Jugendlichen gefragt. Eine deutliche Übereinstimmung lag bei nahezu allen Kandidaten in der Förderung der Sprache und der Gemeinschaft wie auch zum Teil auf der Durchsetzung der Rechtsstaatlichkeit. Darüber hinaus wurden nach dem jeweiligen Standpunkt zu einem Verbot von Medien, die das Verbreiten von Fake News fördern, gefragt. Im Grunde sahen die Kandidaten keine Notwendigkeit im strikten Verbot. Sie legten dabei den Fokus auf verstärkter Medienbildung und Aufklärung. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem Gleichgewicht zwischen der unmittelbaren Medien- und Pressefreiheit und der Rechtsstaatlichkeit. Demgegenüber stand Rothweiler (AfD), der davon sprach, dass eine „Gefährdung vom Staat ausgeht“.
„Bildung und Kultur“ war der abschließende Themenblock, der Jugendliche wohl am meisten anspricht. Die Schülerinnen und Schüler stellten die Frage, ob die Wiedereinführung des G9 die richtige Maßnahme sei, um steigernden psychischen Belastungen von jungen Menschen entgegenzuwirken. Hierbei bestand die deutliche Einigkeit unter allen Diskussionsteilnehmenden, dass G9 pädagogische Vorteile hat. Anschließend wurden die Politiker nach ihrer Haltung gegenüber Herausforderungen von Künstlicher Intelligenz im Bildungswesen gefragt. Dabei sahen alle Kandidaten sowohl eine Unterstützung als auch eine Gefährdung. Während Karlikli (Linke) auf eine „Unterstützung der Gesellschaft“ setzte, sprach Rothweiler von einer „Gefährdung“. Sowohl Grünen-Abgeordnete Braun als auch CDUler Braun hoben eine genauere Auseinandersetzung und Entwicklung der KI hervor. Mengesdorf (FDP) sprach sich für eine „Anpassung des Bildungswesens“ aus.
Abschließend ging das Wort an die Schülerinnen und Schüler aus dem Plenum. „Inwiefern beurteilen Sie das Schulsystem als zeitgerecht im Hinblick auf Nachhaltigkeit?“ war dabei eine Frage. Schurr (SPD) erklärte die Notwendigkeit eines neuen Bildungspakets aus der Regierung, wobei Braun (Grüne) ebenfalls auf mehr „Unterstützung vom Land“ verwies. Rothweiler (AfD) hingegen sah „keinen Reformbedarf“. Braun (CDU) plädierte für nachhaltiges Handeln vor Ort und das Miteinbeziehen der Pädagogen in politische Entscheidungen. Karlikli (Linke) stand für mehr Bildung und Fortbildung zum Thema Klimaschutz an Schulen, während Mengesdorf (FDP) gegen eine Anpassung des Schulsystems an die Regierung sprach.
„Das, was unsere Demokratie ausmacht, ist es, unsere Stimme abzugeben.“ Mit diesem Appell an die jungen Zuschauer beendete Lehrer Jakob Mörtl die mehr als gelungene Podiumsdiskussion und ein begeisterter Applaus der Schülerschaft füllte die Stadthalle. Nach dem offiziellen Schluss der Podiumsdiskussion erhielten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich persönlich mit den Politikern auszutauschen, was auch rege angenommen wurde.
Der Artikel wurde von Kursstufenschülerin Tetyana Durda verfasst.











