Theaterprojekt Kolumbien

 

 

 

Öffentliche Musiktheater-Aufführung

„Tambora – New World“

Stadthalle St. Georgen, 10. März 2020

im Rahmen des Deutsch-kolumbianischen Musiktheaterprojekts zwischen dem Thomas-Strittmatter-Gymnasium St. Georgen und der Escuela Normal Superior María Auxiliadora Copacabana, Kolumbien

Bericht M. Conzelmann an die Bürgerstiftung, die das Projekt gefördert hat, 22.03.2020

Trotz der beginnenden Corona-Krise konnte das Deutsch-kolumbianische Musiktheaterprojekt zwischen dem TSG St. Georgen und der Escuela Normal Superior María Auxiliadora Copacabana, Kolumbien noch zu seinem Ziel- und Höhepunkt gebracht werden - auch wenn es statt drei nur noch zu einer öffentlichen Aufführung kam: der Premiere am 10. März 2020, in Anwesenheit der Jury des Lotto-Musiktheaterpreises, für den unsere Produktion nominiert ist.

Was die 140 Jugendlichen leisteten– sei es als (deutsche und kolumbianische) Schauspieler*innen, sei es als Musiker*innen des Profilorchesters unter Leitung von Michael Berner und der Jazzcrew 2.0 unter Leitung von Benjamin Heil -, war beeindruckend. Unter Regie des Autors des Stücks „Tambora“, Professor i.R. Wolf Wilms, der die beteiligten Gruppen durch die 18monatige Probezeit (großenteils aus der Ferne) hindurchbegleitet hatte, entstand ein erstaunliches Bühnenwerk., das in seinem Inhalt den Nerv der Zeit trifft.

Die Ausgangssituation von „Tambora – New World“ – die leider immer weniger fiktiven Charakter hat, was die Aktualität des Stückes dramatisch steigert -, ist, dass die Menschheit ihren Heimatplaneten Erde und dessen Klima zugrunde gerichtet hat. Zum Glück wird ein paradiesischer neuer Planet entdeckt, auf den die Menschen umziehen wollen. Sie schicken eine Schar Kinder voraus. Das Stück handelt davon, wie sich die Kinder dieser Herausforderung stellen. Leider stellt es sich heraus, dass die Kinder die neue Chance nicht nützen, sondern ähnlich zerstörerisch miteinander und der neuen Heimat umgehen wie ihre Eltern auf der Erde. Es gibt verschiedene Charaktere unter den Kindern: eine Forscherin, einen Diktator, einen Demokraten, einen Soldaten, eine Schöne, ein Spielkind – mit seinem Papagei, der die Handlung immer wieder weise kommentiert -, einen Dummschwätzer – und ein dickes Kind. Letzteres steht im Verlauf der Handlung kurz vor der „Schlachtung“, weil die Kinder plötzlichem Fleischhunger verfallen. Den Frucht spendenden Baum, der Teil ihrer Lebensgrundlage ist, wollen sie fällen. In dem immer dramatischer werdendem Kampf, der archaische Grundmuster der Menschheit spiegelt, gehen die Kinder aufeinander los.

Wichtiger Teil der Handlung sind der Erd-Geist und der Geist des Planeten Tambora, welche die Seele der beiden Planeten darstellen: der Erdgeist, dem Verhalten seiner menschlichen Bewohner geschuldet geschunden und in dreckige, zerrissene Kleider gehüllt; der Tambora-Geist gesund und voller Lebenskraft, der den Erdgeist stärkt und ermutigt. Die beiden Geister kommentieren immer wieder den Gang der Geschehens. Der Tambora-Geist greift wiederholt in die immer grausameren Aktionen der Kinder ein, indem er plötzlich die Gravitation, der die Kinder nicht entgehen können, verändert.

Am Schluss erscheinen die Eltern der Kinder auf Tambora, sind hingerissen von seiner Schönheit und Üppigkeit – um dann das Unheil zu erahnen…

Das Ende bleibt offen: Dem Papagei sind die letzten Worte vorbehalten, und er eröffnet damit eine neue, den Zuschauer zum Innehalten und dann zum eigenen Handeln herausfordernde Perspektive: „Man tut, was man kann. Die Welt ist noch nicht fertig“.

Die rund 150 Zuschauer*innen in der Stadthalle zollten den 140 beteiligten Jugendlichen verdientermaßen einen großen Applaus. Die Bühnenpräsenz und körperliche Ausdrucksstärke der Schauspieler*innen waren beeindruckend – das Zusammenspiel mit den Orchestern, deren Musik die Emotionen des Stücks gekonnt in Klang umsetzte, bemerkenswert.

Sehr schade, dass es angesichts dieser Leistung nicht noch zu den weiteren öffentlichen Aufführungen kam – sowie zum Deutsch-kolumbianisch-kenianischen Theaterworkshop mit dem Hope Theatre Nairobi in der Folgewoche im Theater im Deutschen Haus. Aber angesichts der sich täglich zuspitzenden Corona-Lage wäre dessen Durchführung fahrlässig gewesen. Letztendlich waren wir sehr froh, dass unsere kolumbianischen Gäste nach Streichung ihres ursprünglichen Fluges am 21.3. doch noch gesund und munter in ihre Heimat zurückreisen konnten, wo sie nun eine 14tägige Quarantäne erwartet.

Zum Hintergrund des Stücks: Der begehrte ENSA-Sonderpreis beim Schulwettbewerb des Bundespräsidenten zur Entwicklungspolitik, den das TSG 2018 gewonnen hatte, bildete die Grundlage dafür, dass wir unsere seit 2016 bestehenden Kontakte nach Copacabana/ Kolumbien intensivieren und Regisseur Wolf Wilms‘ Theaterprojekt-Idee mit Aufführungen beidseits des Atlantiks umsetzen konnten. Bereits im September 2019 war eine zehnköpfige Gruppe des TSG (mit Arturo Ramos und mir als Verantwortliche) nach Copacabana gereist, wo wir eine unglaubliche Gastfreundschaft erleben durften. Während unseres Aufenthalts brachten wir das Stück „Tambora – New World“ gemeinsam mit unseren kolumbianischen Partner*innen bereits mehrfach erfolgreich auf die Bühne. Im März 2020 nun erfolgte der knapp dreiwöchige Gegenbesuch einer 12köpfigen kolumbianischen Gruppe in St. Georgen.

Vielen herzlichen Dank an die Bürgerstiftung für die Unterstützung unseres interkulturellen Theaterprojekts, das zu wirklicher kontinente-übergreifender Kooperation und Völkerverständigung beigetragen hat - und das manchen Beteiligten bzw. Zuschauer*in zu intensivem Nachdenken über unsere Welt provoziert haben dürfte.


Hier aktuelle Berichte über unser Projekt aus den Lokalzeitungen:

https://www.suedkurier.de

Über die Premiere:

https://www.suedkurier.de

https://www.schwarzwaelder-bote.de

von 2019:

https://www.suedkurier.de

https://www.suedkurier.de

Die Schüleraustauschbewegung wurde des Weiteren aus Mitteln der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) des Auswärtigen Amts gefördert und durch den Pädagogischen Austauschdienst (PAD) des Sekretariats der Kultusministerkonferenz unterstützt. Weitere Unterstützung erhielten wir von der Schulstiftung Baden-Württemberg, KATE Umwelt@Entwicklung (kofinanziert von der Europäischen Kommission), sämtlichen Beiratspartnern des TSG, vom Elephants Club, der Firma Sterman, dem Café Bohnenheld St. Georgen sowie weiteren anonymen SpenderInnen. Danke auch nochmals an ENSA/ Engagement Global für die Unterstützung der Kolumbienreise der St. Georgener Schülergruppe im September 2019.


Wolf Wilms, Autor von „Tambora – New World“ und Regisseur:

Im Zentrum der Begegnung: Das Musiktheaterstück TAMBORA – NEW WORLD

In einem Schüleraustauschprojekt mit Institutionen aus unterschiedlichen Kulturkreisen besteht die Gefahr, dass sich touristische Aspekte aufdrängen, bestenfalls mit der Intention, die jeweils andere Welt und die Menschen, die in ihr leben, kennen zu lernen und ihre sozial-kulturellen Lebenszusammenhänge zu studieren und zu verstehen. Im Falle der Begegnung St. Georgen – Copacabana entschieden wir uns, eine gemeinsame handlungspraktische Erfahrungsgrundlage zu schaffen, ein gemeinsames Drittes in Form einer Theaterproduktion, eine harte zeitaufwändige Arbeit an einem ästhetischen Produkt, dessen Komponenten sich aus Life-Musik, Zweisprachigkeit (deutsch-spanisch) und choreografischer Bühnenaktion zusammensetzten.

Tambora ist ein unbewohnter Planet, der in Klima und Vegetation hervorragende Möglichkeiten für menschliches Leben bietet, eine echte Alternative zu einer sterbenden Erde, auf der nur noch wenige privilegierte Menschen leben, die nun zuerst ihre Kinder auf Tambora schicken, um ihnen später nachzufolgen. Was treiben die Kinder auf Tambora? Sie vermuten hinter allem eine „Macht des Bösen“, beginnen damit, einem Baum mit herrlichen Früchten den Krieg und die Vernichtung zu erklären, ohne zu merken, dass sie damit auf Tambora wie schon ihre Eltern auf der Erde ihre Lebensgrundlagen zerstören. In einer ungewollten Aktualität zeigt sich in der Klimaproblematik und der Corona Pandemie dasselbe Muster: Die Menschen erklären die klimatischen Auswüchse zum eigentlichen Feind, den man - wenn möglich – mit technischen Mitteln besiegen müsse. Genauso blind reagieren sie auf das Coronavirus, das zum Zeitpunkt der Premiere von Tambora sich auszubreiten begann und das führende Politiker in einem Krieg mit mehr Opfern als im zweiten Weltkrieg besiegen wollen. In dieser verkürzten Sicht auf die Verursacherproblematik merken die Menschen wie schon in der globalen Problematik auch bei Corona nicht, dass sie sich zum Feind ihrer selbst gemacht haben. Manche Zuschauer erklärten, dass sie durch Tambora zu Nachdenken über Fragen angeregt worden seien, die im allgemeinen Krisenmodus leicht verloren gehen.


Tambora Flyer


Kolumbien-Reise des TSG

Reise-Eindrücke während unseres Aufenthalts
14.9.-2.10.2019

Arved Räuber

Die Armut ist in Kolumbien viel starker ausgeprägt als in Deutschland. Es gibt einen sehr starken Kontrast zwischen Arm und Reich. Es gibt auf einer Seite die Superreichen und auf der anderen Seite die Superarmen, die fast gar nichts haben. Eine Mittelschicht wie in Deutschland gibt es kaum. Auf der Fahrt zum Park Arví konnten wir sehr gut beobachten dass, je höher wir mit der Gondel gefahren sind, die Lebensumstände immer ärmer wurden. Wenn man in der Stadt sich umschaut, sind die Häuser in einem guten Zustand mit richtigen Dächern, Balkonen und Fenstern. Aber sobald man die Stadt verlässt, wird gleich der Kontrast sichtbar. Es gibt mehr Häuser mit Wellblechdach oder einfach nur aus Stoff und Müll, selber zusammengebaute Hütten.

Die Natur in Kolumbien ist wunderschön. Der Kontrast zwischen Stadt mit Unmengen von Müll, Lärm und Millionen von Menschen und der Natur wird schon sichtbar, wenn man nur 20 Minuten aus der Stadt rausfährt. Sofort ist man in einer anderen Welt - eine Welt mit wunderschönen Schmetterlingen, Vögeln und einer Vielzahl von Pflanzen. Der Lärm der Stadt verwandelt sich in einen Klang aus Vogelgezwitscher, Blättergeraschel, und oft hört man in der Nähe einen Bach plätschern. Die Flüsse sind auch nur dort sauber, sobald sie in eine Stadt fließen. Dort sind die Gewässer so unvorstellbar dreckig. Es schwimmt so viel Müll herum, dass es für Tiere keine Möglichkeit gibt dort zu leben. Es gibt Vögel, die Essensreste im Müll suchen, den Müll dann aber essen und davon dann krank werden. Ich bin vor 4 Tagen mit meiner Familie durch die Stadt gefahren. Am Straßenrand lag ein totes Wildschwein. Einfach so auf dem Gehweg. Das Wildschwein wurde auch nicht entsorgt, sondern einfach von Vögeln, Ratten und anderen Tieren aufgefressen. 20 Meter weiter war ein Stand, wo eine Frau Mangos und Limonen verkauft hat. Generell stehen Verkäufer direkt neben der Straße und wollen dort Früchte verkaufen. Auch an Ampeln kommen Verkäufer an dein Fenster und möchten dir Chips oder so etwas andrehen. Die Sachen kosten zwar nicht viel, gerade mal 2000 Pesos für eine Tüte Chips, das sind nicht mal 1 Euro, aber wenn das direkt auf der Straße verkauft wird, wo jeden Tag Tausende von Autos lang fahren, die Abgase ausstoßen, die ungesund sind, will ich das nicht essen.

Die Menschen in Kolumbien sind unglaublich herzlich, freundlich und so brutal nett, davon können sich die Deutschen gern was abgucken. Man kommt in Kolumbien an und jeder, den du triffst, sagt: „Hallo, wie geht´s dir?“. Das wäre in Deutschland anders, wenn man in Deutschland jemanden grüßt, bekommt man meistens ein schlecht gelauntes Mhh zurück statt ein freundliches Hallo wie in Kolumbien. In den Familien wird mit einem umgangen wie mit dem eigenen Kind.

Der Verkehr ist eine einzige Katastrophe. Wenn ein Kolumbianer in Deutschland Auto fahren würde, hätte er nach 10 Minuten Stress mit der Polizei. Wenn 30 auf dem Schild steht fahren sie mindestens 60. Die Motoradfahrer überholen von rechts von links und fahren wie die Henker. Statt zu bremsen, wird gehupt und einfach aus dem Fenster geschrien.

Jonas Riege

Anfangs war ich total schockiert, dass hier auf den Straßen und an dem Fluss so viel Müll liegt. Ich fand es erschreckend, dass im Vergleich zu Deutschland so wenig für die Umwelt getan wird.

In Bezug auf den Nahverkehr benutzen viel mehr Menschen öffentliche Verkehrsmittel, das ist ein guter Schritt, um unsere Umwelt noch zu retten bzw. den Klimawandel noch in Schach zu halten.

In Medellín gibt es seit ca. 20 Jahren die einzige Metro des Landes. Ich würde mir wünschen, dass das Metronetz in den nächsten Jahren noch ausgebaut wird.

Die Armut ist in Kolumbien sehr stark zu sehen. Jeder kann genau erkennen, wo der Unterschied zwischen den einzelnen Schichten ist, je weiter man am Berg nach oben kommt, desto ärmlicher werden die Verhältnisse. Der Kontrast ist sehr stark zu spüren und die ärmlichen Verhältnisse auch. Jedoch scheinen die Menschen trotz ihrer vielen Probleme im Vergleich zu vielen Deutschen glücklich zu sein. Besonders beeindruckt war ich von der Gastfreundschaft der Bevölkerung .

Unvergesslich ist hier die wunderschöne, vielfältige Landschaft. Egal, wo man hin fährt, eröffnet sich nach einer ca. 30 minütigen Fahrt eine völlig anderen Gegend, wo alles ganz anders aussieht. Die Natur ist hier so vielfältig, und das finde ich so bewundernswert. Es gibt unzählige Pflanzen-, Tier- und Obstgarten. Durch die klimatischen Verhältnisse, die das ganze Jahr hindurch gleichbleibende Temperaturen aufweisen, und die regelmäßigen Niederschläge kann hier alles sehr gut gedeihen. Hier kann natürlich durch die fast gängige Temperatur sehr viel schnell und vor allem gut wachsen. Ich war beindruckt, wie schön es hier ist, und würde sofort nochmal hier her reisen, wenn es die Möglichkeit gäbe, um dieses wunderschöne Land noch einmal zu besichtigen und alte Erinnerungen wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Die unzähligen Obstsorten waren für mich beeindruckend - die vielen unterschiedlichen Farben und Formen. Der Kühlschrank meiner Gastfamilie war stets mit gefüllt mit Obst, Obstsäften, Gemüsen und Salaten.

Yannick Schaedler

Hier ist es sehr stark so, dass die Menschen sich entweder gegenseitig viel helfen oder sich gegenseitig ausbeuten, wobei wir das noch nicht gesehen, aber gehört haben. Dort, wo wir bisher waren, war es eigentlich immer so, dass die Menschen zu uns und gegenseitig sehr nett, gastfreundlich und hilfsbereit waren. Wir haben allerdings auch mitbekommen, dass es so vor ein paar Jahren nicht so war und dass es da noch viel mehr Kriminalität gab. Mit dem Thema Müll sind sie zwar schon deutlich fortgeschrittener als in anderen Ländern wie zum Beispiel Indien, aber sie haben hier trotzdem ein großes Problem damit.

Der Fluss ist auch nur in der Nähe der Quelle sauber und ist aber die längste Strecke lang sehr dreckig, so dass in vielen Gebieten keine Fische mehr leben. Arme Leute gibt es hier viel mehr als in Deutschland, und sie haben auch viel weniger als arme Europäer. Der Staat unterstützt die Unterschicht auch viel weniger. Die Natur ist hier allerdings um einiges schöner, da sie sehr abwechslungsreich ist. Durch die Vielfalt der Natur und die Wärme gibt es hier sehr viele leckere Früchte, die es bei uns nicht gibt. Insgesamt ist es hier viel schöner und netter als in Deutschland – außer man gehört zu den Armen.

Cheyenne Christmann

Das Erste, an was man als unerfahrener Tourist oder Schüler/in denkt, wenn man das Wort  “ Kolumbien”  hört, ist bestimmt Gewalt, Kriminalität, Drogen und Armut. Erst nachdem man sich informiert hat, erkennt man, was Kolumbien wirklich zu bieten hat. Die Natur, die Kultur und die gesamte Geschichte Kolumbiens ist unglaublich interessant.

Verkehr

Das Erste, was ins Auge sticht, sind die verschiedenen Transportmittel, und wie frei die Autofahrer mit Verkehrsregeln umgehen. Anders als in Deutschland wird nicht auf grün gewartet, sondern wie in vielen Großstädten einfach über die Straße gerannt. Die Funktionen der Busse sind fast weiter entwickelt als in Deutschland: Sobald ein Fahrgast den Stoppschalter betätigt, hält der Bus augenblicklich am Straßenrand an, egal wo und wann. Diese Vorgehensweise hat uns unglaublich fasziniert. Mit einer 6-Personen-Gondel kann man von der einen Seite des Berges zur anderen fahren. Die Bürger sind sehr stolz auf ihre Seilbahn und die Metro und achten gut auf sie. An den Haltestellen geht es sehr ordentlich zu, fast alle Kolumbianer warten in einer Reihe, bis die Metro oder der Bus kommt. Das könnten wir als Vorbild betrachten. Außerdem ist das Ticket gegenüber Deutschlands umgerechnet sehr billig. Wie in allen Großstädten sind die öffentlichen Verkehrsmittel morgens bis abends voll. Als Jugendliche vom Land waren wir das nicht gewöhnt und haben in den ersten Tagen erst versuchen müssen, uns anzupassen.

Wohnen

In den Gastfamilien bemerkten wir, dass sich nicht viel vom Wohnen in Deutschland unterscheidet. Da wir in sog. "Unidades", also Gated Communities, untergebracht waren, konnten wir aber nicht das Leben außerhalb erfahren, zum Beispiel in etwas ärmeren Wohnvierteln. "Seit ein paar Jahren können sich nun auch Bürger der Mittelschicht diese Wohnart leisten", meint meine Gastfamilie. Die Wohnungen sind entweder auf einem Stockwerk großflächig oder schmal auf zwei Stockwerke verteilt. Es gibt zwei Türen, eine Gittertür zur Sicherheit und eine “normale” Haustür. Auch vor den Fenstern ist ein Gitter, so wie viele Deutsche es in der Innenstadt haben. Nach dem, was wir gesehen haben, kamen wir zu dem Schluss, dass viele Kolumbianer ihren Müll nicht trennen und an sich Mülltrennung vorher noch nicht kannten. Trotzdem gibt es viele Familien, die versuchen, ihren Müll richtig zu entsorgen. Der Kühlschrank ist randvoll mit frischem Obst und Säften, von denen man nur träumen kann. Wir haben uns sehr schnell an alles gewöhnt und uns mit eingebracht. 

Die Stadt 

Medellín ist genau strukturiert, in Stadtviertel aufgeteilt, welche man sehr gut von der Seilbahn aus sieht. Leider kann man auch erkennen, wo die "reichere" und wo die "ärmere" Bevölkerung wohnt. Wenn wir in Deutschland von Armut reden, wissen wir, dass die hilfsbedürftigen Menschen Unterschlupf, Essen und etwas Geld bekommen, sofern diese es wollen. In Kolumbien hat die ärmere Bevölkerung nur noch Holzhäuser oder provisorisch geflickte Blechhäuser zum Wohnen. Wir mussten uns erst gezielt informieren, um zu verstehen, wie arm die Menschen wirklich sind, aber sie lächeln uns trotzdem an und laden jeden warmherzig ein. Es gibt viele Straßenkinder, bei denen viele (ähnlich wie in Deutschland) beginnen, Drogen zu verkaufen, da sie das Geld brauchen. Das versucht „Don Bosco“ mit ihrem Straßenkinder-Projekt (Patio 13) zu verhindern. Hier können die Kinder zur Schule gehen, einen Beruf erlernen, und sie wachsen wohlbehütet auf.

Medellin hat einen wunderschönen, exotischen Park. In der Stadtmitte gibt es enorm viele interessante Läden für die Touristen, sowie reine Business-Distrikte. Viele Menschen versuchen kalte Getränke oder Früchte zu verkaufen und stehen mit ihrem kleinen Stand direkt an der Straße. Genauso wie z. B. In Berlin muss man an öffentlichen Plätzen sehr auf sein/e Taschen/ Rucksack aufpassen, da sowas schnell verloren gehen oder geklaut werden kann. 

Natur

Kolumbien hat eine Vielfalt an Pflanzen und Tieren zu bieten. Fährt man knapp 20 Minuten aus der Stadt heraus, befindet man sich in einer anderen Welt: Überall hört man leise Vogelstimmen, sieht riesige Schmetterlinge und wunderschöne kleinen Käfer vorbeiflattern. Wenn man wachsam ist, findet man sogar bunte Spinnen und Echsen. Für uns Jugendliche aus einer Kleinstadt im Schwarzwald war ein solcher Ausflug natürlich ein absolutes Highlight. Was uns wirklich traurig macht, ist, dass Industrieländer (unter anderem Deutschland, Schweiz und Amerika)  mit ihrem Konsumverhalten die Abholzung solcher Wälder fördern. Doch die meisten Verbraucher wissen nichts davon, klar - das steht ja nicht groß auf der Verpackung. 

Wir hoffen also mit unserem Projekt, Menschen zu zeigen, dass jeder etwas ändern kann und mit etwas Achtsamkeit und Nächstenliebe für eine bessere Zukunft sorgt. 

Xenia Wodarz

Direkt am Anfang der Reise ist uns aufgefallen, dass die Menschen hier in Kolumbien um einiges freundlicher und hilfsbereiter sind. Zum Beispiel, wenn eine ältere Person in den Bus einsteigt, steht sofort eine jüngere Person auf, um dieser einen Sitzplatz zu ermöglichen. Auch in den Familien sind die Unterschiede deutlich zu spüren. Die Menschen sind sehr zuvorkommend und bieten den Besuchern jede Menge an, wie zum Beispiel Essen, sie sorgen sich auch sehr und versuchen alles, damit die Gäste zufrieden sind. Aber nicht nur in den Familien oder öffentlichen Verkehrsmitteln merkt man das, sondern auch total in der Schule. Man wird total oft angesprochen und es wird Interesse gezeigt. Als Kolumbianer in Deutschland waren haben sich nur wenige getraut, mit ihnen zu reden. Die meisten haben nur hinter ihren Rücken getuschelt, jedoch hier ist es nicht annähernd so. Natürlich wird hier oft auch getuscht, aber meistens nur von kleinen Kindern, oder wenn es Ältere machen, kommen sie auf einen zu und fragen etwas. Die Leute hier sind nicht so verhalten wie die Deutschen.

Uns ist auch aufgefallen, wie wunderschön die Natur hier ist, unzählige Baum- und Pflanzenarten. Natürlich auch ganz viele verschiedene Tiere in den unterschiedlichsten Größen und Farben. Besonders Vögel kann man hier zahlreich beobachten. Besonders die Wälder hier sind total beeindruckend, denn die sind natürlich etwas ganz anderes bei uns. Immer wenn wir einen Wald erkundet haben, haben uns die Guides jede Menge interessante Sachen gezeigt, wie besondere essbare Früchte, ehemalige Höhlen von Spinnen oder auch den Rio Medellín. Wir haben diesen auf zwei verschiedene Arten kennengelernt, wobei man sehen konnte, was für Auswirkungen der Mensch doch auf die Natur hat. Zuerst haben wir den Rio de Medellín in seiner natürlichsten und auch schönsten Weise gesehen. Das war an einem Wald, und das Wasser war total sauber und klar, so dass einige von uns auch baden gegangen sind oder auch einfach ihre Füße in das Wasser gestellt haben. Es war wunderschön. Jedoch haben wir in der darauffolgenden Tagen gesehen, wie der Fluss in den Städten aussieht. Total verdreckt und voller Müll, das würde man nicht wunderschön nennen, und ich würde da definitiv nicht baden gehen. Es ist ein mieses Gefühl zu wissen, dass daran nur die Menschen Schuld sind. Es zeigt, was für einen Einfluss die Menschen auf die Natur haben, um einen so sauberen und schönen Fluss total zu verdrecken. Dies muss dringend geändert werden, die Flüsse müssen sauber bleiben. Besonders der viele Müll an den Rändern der Flüsse ist erschreckend. Man muss etwas dagegen tun.

Als wir mit der Gondel über die Häuser gefahren sind, konnte man dies auch total sehen. Es war aber auch deutlich sichtbar, dass, je höher man an einem Berg kommt, desto ärmer werden die Häuser. Am Fuße des Berges sahen die Häuser noch recht stabil aus, und sie schienen nicht, als wären sie allzu klein. Als wir ca. auf der Mitte der Berges angekommen sind, wurden die Häuser jedoch immer kleiner, und es war viel dichter bebaut. Dennoch war es noch relativ schön, denn an vielen Hauswänden waren Graffitis, welche sehr aufwendig und schön aussahen. Man hat gesehen, dass die Menschen versucht haben, alles ansprechend aussehen zu lassen. Der obere Teil des Berges war viel ärmer, das hat man besonders an den Dächern gemerkt, die immer instabiler aussahen. Auch Wände waren teilweise einfach durch jede Menge Plastikfolie ersetzt. Zudem waren die Häuser auch viel kleiner und sahen nicht so aus, als ob sie genug Platz für eine ganze Familie hätten. Es war nicht zu übersehen, dass die Menschen ärmer waren.

Cora Dietz

Kolumbien war wirklich eine Erfahrung fürs Leben. Hier hatte ich die Möglichkeit, die andere Seite der Welt zu sehen. Nicht nur als Tourist, sondern auch als Familienmitglied, neuer Freund oder Schüler.

Familien

Ich habe meine Gastfamilie sehr gemocht und mich auch sehr wohl gefühlt. Ich wurde selten so herzlich empfangen, und wenn ich das mit dem Frankreich-Austausch vergleiche, sind das wirklich andere Welten. In Frankreich wurde ich meiner Meinung nach nicht „richtig“ wahrgenommen. Ich habe mich selten mit meiner Austauschschülerin unterhalten. Wenn wir was zusammen gemacht haben, dann war das gleichzeitig am Handy sein oder Netflix gucken. Mit dem Vater oder der Mutter habe ich nie wirklich geredet. Hier ist es das komplette Gegenteil. Ich verstehe mich super mit meiner Familie. Der Vater bringt mir immer etwas auf Spanisch bei, die Mutter kümmert sich um mich, als wäre ich ihre zweite Tochter und Lunas Schwester.

Umwelt

Bei uns zu Hause sieht, kurz gesagt, alles gleich aus. Schwarzwald eben. Wenn man in den Wald schaut, dann sieht man, dass da mal ein bisschen Plastik liegt, aber weiter kümmert man sich da nicht drum. Es macht einfach keinen großen Unterschied. Als wir einen Ausflug zum Rio Medellín gemacht haben, hat man diesen Unterschied jedoch deutlich gesehen. Die Quelle: sauberes, klares Wasser, wenige Menschen, einfach die pure Schönheit der Natur. Sobald man aber wieder in der Stadt war, fühlte man sich wie in einer anderen Welt. Von der guten Luft spürte man nichts mehr. Der Fluss dreckig, die Umgebung voll mit Müll. Auf den Steinen am Rand oder in den Bäumen/Büschen überall Plastik. So einen deutlichen Unterschied hatte ich nicht erwartet. Fährt man eine halbe Stunde raus aus der Stadt, hat man die Natur noch fast unberührt. Fährt man wieder rein, ein Berg von Häusern, Menschen, … aber keine Natur.

Armut

Wenn man in Deutschland arm ist, lebt man möglicherweise auf der Straße, kann aber noch Hilfe vom Staat erhalten. Wenn man in Kolumbien auf der Straße lebt, hat man nichts mehr und der Staat bietet auch keine Hilfe. Arm sein bedeutet etwas ganz Anderes. Wenn man in der Stadt unter einer Brücke durchläuft, sieht man an den Rändern zahlreiche schlafende Obdachlose bzw. ihre Schlafplätze. Wenn man in die Armenviertel kommt, ist alles verdreckt. Der ganze Weg ist voll mit Müll. Müllsäcke gibt es entweder nicht, oder es kümmert einfach keinen, dass man diese auch schließen sollte. Das Sofa steht vor der Tür, weil es nicht mehr ins Haus gepasst hat. Gekocht wird draußen über offenem Feuer in einem großen Kessel und die Kinder spielen oft auch am Morgen, wenn andere in der Schule sind. Und trotzdem wurden mir Sachen von Leuten angeboten, die sie selber nötiger gebraucht hätten, weil sie deutlich gastfreundlicher sind.

Geld

Kolumbien ist unfassbar billig. 1 Euro sind ungefähr 3600 Pesos. Einen Burger und ein Getränk für 8500 Pesos, das sind etwa 2,40 Euro. In Deutschland bekommt man das für etwa 6 Euro. Wenn man in Deutschland an der Kasse bezahlen möchte, werden die größeren Scheine kontrolliert (ab 50 oder 100 Euro). Als ich neulich mit meiner Familie einkaufen war und wir mit zwei 50 000 Pesos-Scheinen bezahlt haben, hat die Kassiererin geschaut, ob diese echt sind. 100.000 Pesos wären umgerechnet ungefähr 30 Euro. Das zeigt, dass 100.000 Pesos eine Menge Geld sind, wobei 30 Euro in Deutschland nicht so wertvoll sind, dass man das Geld kontrollieren müsste.

Amy Makowe González

Ich finde, dass wir Deutschen viel von den Menschen in Kolumbien lernen können. Zum Beispiel, dass wir anderen mehr geben können, oder dass wir viel netter/offener sein sollten. Die Kolumbianer sind viel gastfreundlicher und sie geben dir etwas, obwohl sie selber sehr wenig haben. Was mir aufgefallen ist, ist, dass sie älteren Leuten oder verletzten ihren Sitz in der Metro oder im Zug geben.

Was sie von uns lernen könnten, ist, dass man im Straßenverkehr mehr aufpassen muss und man sich an die Vorschriften halten muss, um schwere Unfälle zu vermeiden. Mir ist auch aufgefallen, dass sie hier lockerer sind und leichter mit den Menschen umgehen. Der Unterschied z.B. zu den Partys ist, dass die Kolumbianer sich mehr “trauen” und einfach lostanzen und Spaß haben, und dass die Deutschen nicht locker sind und meinen, “ wenn du nicht tanzt, tanz ich auch nicht” und einfach an der Seite stehen und trinken. Etwas lustig ist auch, dass sie, während der Bus noch fährt, einfach einsteigen oder aussteigen. Sie heben einfach die Hand und der Bus hält einfach vor ihnen, und zum Aussteigen drücken sie auf einen Knopf und steigen dort aus, wo sie hin müssen, egal ob es eine Haltestelle ist oder nicht.

In der Metro ist es morgens noch sehr leer, aber je später es wird, desto voller wird es. Die Menschen drücken sich einfach rein, und was mir passiert ist, ist, dass man mich mit reingedrückt hat und ich von der Gruppe getrennt wurde. Es fahren um eine halbe Millionen Menschen pro Tag mit der Metro.

Was mir noch aufgefallen ist, ist, dass fast überall Polizisten stehen und dass es mehr Motorräder gibt als Autos. In Kolumbien gibt es um die 7158 Unfallstote, während es in Deutschland um die 3206 Unfallstote gibt ( offizielle Schätzung 2016 ). Das Essen hier ist auch anders, z.B. die Hot Dogs ( in Kolumbien „Perros“), bei uns macht man sie nur mit Brot, einer Wurst, vielleicht gebratenen Zwiebeln, Ketchup und Senf, hier sind sie mit einer kleinen Wurst, Zwiebeln, Kartoffeln, Salat, manche machen auch Ananas rein und es gibt noch verschiedene Soßen.

Im Gegensatz zu unserer Schule ist die Schule hier viel, viel größer, es gibt mehr Schüler und es gibt auch viel jüngere Schüler als bei uns. Sie müssen Schuluniformen tragen, und es geht nur bis zur elften Klasse. Die Schüler in der Elften tragen Collegejacken mit deren Namen drauf, einem Motto, welches sie selbst ausgesucht haben und mit der Zahl, welche bedeutet, dass sie die wievielte Klasse sind, die Abschluss macht. Dieses Jahr ist es die Zahl 60 und nächstes Jahr die Zahl 61. 

Sofie Makowe González

Wenn man über Kolumbien redet, kommen einem als erstes Themen wie Drogen, Kriminalität und Armut in den Sinn. Aber seit ich hier bin, habe ich kaum etwas davon mitbekommen. Das kann natürlich daran liegen, dass wir uns vor allem in der Mittelschicht bewegen. Aber es ist gar nicht so schlimm, wie es alle immer hinstellen. Die Menschen sind viel freundlicher als in Deutschland und nehmen einen mit offenen Armen auf. Sie sind auch viel offener und vertrauenswürdig. Schon am zweiten Tag habe ich zum Beispiel die Großmutter eines Kolumbianers kennengelernt, mit dem ich sonst vorher nicht so viel Kontakt hatte. Die Mutter dieses Kolumbianers hat uns auch Armbänder gemacht, die wir seitdem jeden Tag tragen. Das Witzige finde ich immer noch, dass wir schon etwas länger als eine Woche in Kolumbien sind, von den Kleinen aber immer noch wie Stars gefeiert werden. Wir haben mit unseren neuen Freunden auch schon ein bisschen gefeiert und es ist viel besser als bei uns in Deutschland. Jedoch ist die Offenheit nicht immer toll. Uns Mädchen wurde schon oft etwas hinterhergerufen, wir wurden angehupt und mit Blicken angeschaut, an die ich mich am liebsten nicht mehr erinnern möchte. Jedes Mal, wenn ein Mann ruft, wie hübsch wir doch sind, und uns anpfeift oder irgend einen Anmachspruch rauslässt, fühle ich mich einfach nur schlecht und dreckig und ich würde mich am liebsten umdrehen und ihm ins Gesicht rufen, dass er weggehen soll. Es macht mich wahnsinnig, ständig Kommentare von älteren Männern zu hören, ohne irgendwas dagegen tun zu können. Denn egal, ob ich was sage, es wird wieder passieren.

Die Natur hier ist vielfältiger und tropischer als bei uns. Das Klima ist durchgehend ähnlich, und es ist interessant, wie für die Leute hier ein für uns vergleichsweiser Nieselregen als “starker Regen” angesehen wird. Die Mücken sind nicht so schlimm wie erwartet. Wir haben von unserer Mutter vier Flaschen Mückenspray mitbekommen, und es ist noch nicht einmal eine leer, denn man muss sich nicht ständig einsprühen. Auch Sonnencreme habe ich noch nicht so oft benutzten müssen, weil die Sonne nur in manchen Regionen stärker scheint. Das finde ich jedenfalls.

Die Zeitverschiebung war anfangs ein ziemliches Problem für uns, weil man morgens wach ist, aber mittags fast einschläft. Woran ich mich sogar jetzt noch gewöhnen muss, ist, dass die Kolumbianer sich gegenseitig siezen, egal, in welchem Alter sie sind. Bei uns ist man einfach nicht so höflich. Auch nennen sie sich gegenseitig “Mami” oder so. Das sagt sogar die Mutter zur Tochter, was ich etwas seltsam finde. Aber jedem das Seine. Außer den vielen Blicken und den vielen Kommentaren finde ich Kolumbien sehr schön. Es würde mich freuen, wenn wir irgendwann wieder hierher kommen können, weil es sich echt lohnt, hier zu sein.


Interkulturelles Theater geht auf Reisen

Der erste Kontakt mit der Escuela Normal Superior María Auxiliadora in Kolumbien wurde 2016 über den „Chat der Welten“ hergestellt, wo die deutschen und kolumbianischen Schüler sich über Skype oder E-Mail austauschen konnten. 2017 besuchten erstmals ein paar kolumbianische Schüler*innen das TSG. Durch den 2018 gewonnenen ENSA-Preis wurde es auch den Schülern vom TSG ermöglicht, im Rahmen eines großen deutsch-kolumbianischen Theaterprojekts, mal nach Kolumbien zu reisen.

In dem interkulturellen Theaterstück „Emigración fatal“ geht es um eine ferne Zukunft, in der man aufgrund des Klimawandels nicht mehr auf der Erde leben kann. Der einzige Ausweg ist ein zweiter Planet namens Tambora. Dorthin werden zuerst alle Kinder geschickt, wo sie dann neue Herausforderungen meistern müssen.

Die Proben laufen seit 2018 und im September 2019 konnten erstmals Schüler des TSG nach Kolumbien reisen. Dort haben sie das Theaterstück zusammen mit kolumbianischen Schülern aufgeführt und auch tolle Eindrücke sammeln können. So berichtet Xenia „Besonders beeindruckt hat mich die vielfältige Natur mit unzähligen Baum- und Pflanzenarten.“ Auch meinte Sofie „Die Menschen sind viel freundlicher als in Deutschland und nehmen einen mit offenen Armen auf.“ Alles in Allem war diese Reise eine tolle Möglichkeit, seinen Horizont zu erweitern. Cora fasste nochmal zusammen „Kolumbien war wirklich eine Erfahrung fürs Leben. Hier hatte ich die Möglichkeit die andere Seite der Welt zu sehen. Nicht als Tourist, sondern als Familienmitglied, neuer Freund oder Schüler.“

Im März 2020 kommen die Kolumbianer nach St.Georgen, um das Theaterstück zu präsentieren. Das Stück wird mit einer deutsch-kolumbianischen Besetzung, begleitet vom Profilorchester des TSG und von der Jazzcrew 2,0, in der Stadthalle aufgeführt.

Arved Räuber, Yannick Schaedler, Cora Dietz


Theater-Projekt kommt in Kolumbien zur Aufführung

St. Georgen | von Roland Sprich | 12. August 2019 | Quelle: Südkurier

Kaum sind die Schulferien im September zu Ende, gehen acht Schüler und zwei Lehrer des Thomas-Strittmatter-Gymnasiums (TSG) auf große Reise. Genauer, nach Kolumbien in Südamerika. Dort werden sie an einem deutsch-kolumbianischen Theaterprojekt teilnehmen.

Michaela Conzelmann, Lehrerin am Thomas-Strittmatter-Gymnasium, erläutert, wie es zu der Reise kommt. „Wir sind mit unserer Schule seit einigen Jahren im Rahmen eines Chat-der-Welten-Projekts über die sozialen Netzwerke im intensiven Austausch mit einer kolumbianischen Schule und haben bereits an verschiedenen Themen gemeinsam gearbeitet“, so Conzelmann. Ein Schwerpunkt dabei lag auf der theaterpädagogischen Arbeit. Gemeinsam mit dem Theaterregisseur Wolf Wilms, der sowohl in Kolumbien als auch an der pädagogischen Hochschule in Heidelberg unterrichtet, und bereits mehrfach am TSG vorbeischaute, wurde ein gemeinsames Theaterstück erarbeitet. Nachdem das TSG für sein Engagement in den Bereichen Nachhaltigkeit, interkulturelle Begegnungen und fairer Handel im vergangenen Jahr bei einem Schulwettbewerb des Bundespräsidenten zur Entwicklungspolitik den mit Geld dotierten Sonderpreis des entwicklungspolitischen Schulaustauschprogramms ENSA gewonnen hat, besteht nun die Möglichkeit, die Reise nach Kolumbien zu unternehmen. Rund drei Viertel der Reisekosten sind durch den ENSA-Preis gedeckt.

Den Alltag kennenlernen

18 Tage, vom 14. September bis 2. Oktober, werden die Schüler aus den Klassen 9 und höher nach Kolumbien reisen. Dort werden sie mit den Schülern der „Escuela normal superior Maria Auxiliadora“ in der Stadt Copacabana das gemeinsame Theaterprojekt achtmal aufführen. Die Stadt liegt etwa eine Flugstunde nordwestlich entfernt von der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Außer den Theateraufführungen werden die Schüler den kolumbianischen Alltag kennenlernen. Und auch den Schulalltag in der Schule erleben, die von katholischen Nonnen geführt wird. „Und wir werden uns am Beispiel Regenwaldabbau natürlich auch mit dem Thema Klimawandel beschäftigen“, so Conzelmann. Aber auch andere Themen, wie ein Straßenkinderprojekt, werden die Schüler vor Ort angehen.

Bei den Vorbereitungen zu der Reise wurden die Teilnehmer auch für die besondere Sicherheitslage sensibilisiert. „Wir haben ein regelrechtes Sicherheitstraining durchlaufen.“ So wurden die Teilnehmer dahingehend gebrieft, dass sie beispielsweise keine Markenkleidung tragen, nirgends allein hingehen und Smartphones in der Öffentlichkeit nicht offen zeigen sollten.

Wie Michaela Conzelmann erklärt, waren die Vorbereitungen für die anstehende Reise für die Schüler mit einem hohen Zeitaufwand im Vorfeld verbunden, die das Theaterstück außerhalb der Schulzeit einstudierten. Nach der Rückkehr der Reise werden die Schüler über das Erlebte in Vorträgen an der Schule und auch für die Öffentlichkeit berichten.

Im März nächsten Jahres werden dann kolumbianische Schüler in St. Georgen erwartet, damit das Theaterprojekt auch hier aufgeführt werden kann. Für die Reisekosten für die kolumbianischen Schüler hofft Conzelmann auf erneute ENSA-Förderung. Für den Restbetrag suchen die Organisatoren noch Unterstützer, damit die kolumbianischen Schülern bei den Reisekosten entlastet werden können. „Wir würden uns freuen, wenn wir hier noch etwas finanzielle Unterstützung erhalten würden“, so die Lehrerin.

Theater-Projekt

Das deutsch-kolumbianische Theaterprojekt nennt sich „Emigración fatal“. Darin geht es um einen Blick in die Zukunft, wonach die Erde aufgrund des Klimawandels und anderer Umwelteinflüsse unbewohnbar geworden ist. Den Menschen bleibt nur die Flucht auf einen paradiesischen Planeten namens Tambora. Einige Kinder werden hierbei als Testpersonen vorausgeschickt, die die Herausforderungen des Lebens in der neuen Heimat meistern müssen. Das Stück ist zweisprachig und mit vielen choreografischen Elementen angereichert. (spr)

Die TSG-Schüler des deutsch-kolumbianischen Theaterprojekts „Emigración fatal“. Acht von ihnen werden im September nach Kolumbien reisen, wo das Stück gemeinsam mit kolumbiansichen Schülern mehrfach aufgeführt wird. | Bild: Michaela Conzelmann

Deutsch-kolumbianisches Theaterprojekt „Emigración fatal“ 2018-20

Seit Beginn des Schuljahres 2018-19 läuft, ermöglicht durch den ENSA-Sonderpreis 2018, ein großes deutsch-kolumbianisches Theaterprojekt gemeinsam mit der Escuela Normal Superior María Auxiliadora in Copacabana/ Kolumbien mit dem Titel „Emigración fatal“. Die Erde ist in diesem Stück unbewohnbar geworden. Zum Glück hat sich ein anderer Planet gefunden, auf dem menschliches Leben möglich ist. Eine Gruppe von Kindern wird vorausgeschickt, aber die Kinder sehen in ihrer neuen Umgebung eine Bedrohung und geraten darüber in Streitigkeiten…

Es hat sich auf beiden Seiten des Atlantiks je eine Theatergruppe formiert, die in engem Austausch ist und das Stück unter Regie von Prof. i.R. Wolf Wilms einstudiert. Seit September 2018 kommt Herr Wilms etwa einmal im Monat zu Besuch, bringt uns die Grundbegriffe des „choreografischen Theaters“ nahe und erarbeitet mit uns die Szenen.

Zuerst wird „Emigración fatal“ im Herbst 2019 zur Aufführung gelangen, wenn eine 11-köpfige Delegation vom TSG in Copacabana zu Gast sein und das Stück gemeinsam mit dem kolumbianischen Ensemble auf die Bühne bringen wird.

Für März 2020 ist bereits der Gegenbesuch aus Copacabana fest eingeplant und die Stadthalle für eine ganze Aufführungswoche (mit exklusiven Schüler-Vorführungen und Aufführungen für die Öffentlichkeit) gemietet.

Die Begegnungsreise nach Kolumbien im September 2019 ist eingebettet in ein volles ENSA-Jahr (ENSA: „Entwicklungspolitisches Schulaustauschprogramm“) mit Auftaktkonferenz, Vor- und Nachbereitungsseminaren mit zwei uns exklusiv zur Seite gestellten TrainerInnen sowie einer Evaluierungskonferenz. Schon zum jetzigen Zeitpunkt kann man sagen, dass wir schon unglaublich viel gelernt haben und das große Theaterprojekt unseren Horizont erheblich erweitert!


Aufführungen in Kolumbien und St. Georgen: Das TSG startet ein großes Theaterprojekt

ST. GEORGEN | 07. Mai 2019 | VON LEA SPORMANN | Quelle: Südkurier

  • Zusammenarbeit mit südamerikanischer Schule
  • Stück wird in beiden Ländern aufgeführt

Rund 18 Schüler des Thomas-Strittmatter-Gymnasiums (TSG) stellen ein großes deutsch-kolumbianisches Theaterprojekt mit einer Schule aus Kolumbien auf die Beine. Dafür werden einige Schüler sogar bald nach Südamerika Reisen. In den vergangenen Jahren stand das TSG im Rahmen eines „Chats der Welten“ mit der Escuela Normal Superior María Auxiliadora Schule in Copacabana/ Kolumbien intensiv im Austausch. „Schüler beider Länder aus verschiedenen Klassen sind seither über soziale Netzwerke in Kontakt und arbeiten gemeinsam an verschiedenen Themen,“ erzählt Michaela Conzelmann Lehrerin des TSG.

Ein Schwerpunkt lag von Anfang an auf der theaterpädagogischen Arbeit. 2017 hat das TSG für sein Engagement beim Schulwettbewerb des Bundespräsidenten zur Entwicklungspolitik den ENSA-Sonderpreis gewonnen. Dieser Preis ermöglicht den Schülern nun die Reise nach Kolumbien.

Das große deutsch-kolumbianisches Theaterprojekt heißt „Emigración fatal“. „Das Stück soll im Herbst 2019 in Kolumbien und im Frühjahr 2020 in St. Georgen aufgeführt werden“, erzählt Celina Wagner eine Schülerin des TSG. In dem Stück geht es um eine ferne Zukunft, in der die Erde aufgrund des Klimawandels und anderen Umwelteinflüssen unbewohnbar geworden ist. So, dass nur die Flucht auf den entdeckten paradiesischen Planeten Tambora als Ausweg bleibt. Einige Kinder werden dann als Test vorausgeschickt und müssen die Herausforderung des Lebens in der neuen Heimat meistert.

„Wir sind dankbar, dass wir für dieses Projekt Wolf Wilms gewinnen konnten, der normal in Kolumbien unterrichtet“, sagt Michaela Conzelmann. Der Professor ist Theaterregisseur in Kolumbien und langjähriger Dozent für Sonderpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Er kommt meist einmal im Monat, um mit den Schülern zu üben. Bereits im Juni wird er dann noch mal herkommen. „Damit trotz der zweisprachigen Texte alles verständlich wird, wird die Spielweise sehr choreografisch, mit Körpereinsatz ausgerichtet werden“, sagt Arved Räuber Schüler des TSG.

Ziele für die Schüler sei es, Bewusstsein für globale Zusammenhänge und im Sinne der globalen Nachhaltigkeitsziele die Wichtigkeit weltweiter Kooperation und Solidarität zu schaffen. Es soll ein hochwertiger und völkerverständigungsfördernder Beitrag zum Kulturangebot der beteiligten Orte und Regionen geleistet werden. „Bisher sind die Begegnungen der Schüler immer gut gelaufen. Ich denke dadurch, dass ich auch beide Seiten kenne, kann ich auch ganz gut vermitteln“, sagt Wolf Wilms.

Auch Celina Wagner ist sehr begeistert von diesem Angebot. „Ich glaube, es ist einfach eine tolle Möglichkeit, nach Kolumbien zu gehen, bei der man viele Eindrücke und Erfahrungen sammeln kann. Leider darf ich noch nicht mit nach Kolumbien, da die Reise erst ab 14 Jahren ist“, sagt sie.

Schon jetzt besteht eine partnerschaftliche Zusammenarbeit. „Die Kolumbianer waren ja schon einmal hier und da hat die Kommunikation recht gut geklappt, teils mussten wir uns einfach mit Händen und Füßen zu verständigen“, sagt Arved Räuber.

„Für die erste Phase des Projekts werden 75 bis 80 Prozent der Kosten von dem ENSA-Sonderpreis getragen. Den Fehlbetrag müssen wir noch auftreiben. Für die zweite Phase hoffen wir auf eine erneute Förderung durch ENSA.“, sagt Michaela Conzelmann. Angesichts der veranschlagten Kosten von rund 22 000 Euro pro Reisezyklus und des großen Verwaltungsaufwands ist das TSG immer sehr dankbar für Unterstützung.

Das ENSA-Programm

Das Entwicklungspolitische Schulaustauschprogramm (ENSA) ist ein 2005 gestartetes Förderprogramm für Schulpartnerschaften mit Ländern in Afrika, Asien, Lateinamerika und Südosteuropa. Dieses geht auf einen Beschluss von 2002 des Deutschen Bundestages zurück, ein Entwicklungspolitisches Jugendprogramm Solidarisches Lernen einzurichten. (lsp)

Hier sieht man, wie die Schüler den Haka-Schlachtruf ausführen, der auch in dem deutsch-kolumbianischen Stück vorkommen wird. | Bild: Lea Spormann

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